Pfingstferien 2013


Polen - erlebnisreiche Konzertreise des Chor96


Ausführlicher Bericht; die Kurzfassung finden Sie hier (Pressemitteilung)

 

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Samstag, 25.05.13:

 

Pünktlich um 7.15 Uhr trafen wir uns bei 2° C auf dem Betriebsgelände der Firma Karrer und starteten mit Busfahrer Rolf Kues um 7.38 Uhr mit 45 Teilnehmern zu unserer sechsten Auslandskonzertreise - nach Polen. Mit dabei waren Chormitglieder mit Partnern und Familien, aber auch Fördermitglieder. Nach einem polnischen „guten Morgen“ (Dzien dobry) von Chorleiter Helmut und dem Anbringen des „Tourbus-Plakats“ durch Evelyn begann die Fahrt bei Sonnenschein und mit dem Kaffee durch den Bordservice wurden auch die letzten Chormitglieder munter. Als Ergänzung zum Flüssigen gab es Butterbrezen vom „Hasenbäck“ aus Ottobeuren – spendiert und in Büßerhaltung (mit den Knien auf dem Fußboden des Busses) mit viel Hingabe geschmiert von Axel und Hans.


Die Fahrt ging auf der A7 über Feuchtwangen, Nürnberg und Hof nach Dresden, das wir um 14.45 Uhr nach 545 km erreichten. Pausen waren gleich für weitere Chorproben genutzt worden. Die erfolgreiche Jagd nach Public-Viewing-Karten für das Champions League-Endspiel Dortmund : FC Bayern hatte den Vorteil einer nicht geplanten Stadtrundfahrt und ermöglichte schöne Blicke auf das östliche Elbufer.

Wir „eroberten“ um 16.00 Uhr unsere in einer ruhigen Gegend gelegenen Juhe „Rudi Arndt“ und wurden in strengem Sächsisch in die strikten Regeln im Haus eingeführt. Wir fühlten uns beim Bezug der Zimmer – streng getrennt nach Männlein und Weiblein – ganz wie in alten Zeiten, als der Chor96 noch reiner Jugendchor war.


Rolf brachte uns mit dem Bus anschließend in die Innenstadt. Hier teilten wir uns in Gruppen auf (Fußballfreunde, Besucher des Sängerfestivals bei den Brühlschen Terrassen, Stadtrundgänge, Jazzclub Tonne), wobei viele zunächst Richtung Frauenkirche, Semperoper und Zwinger pilgerten. Die Wetterbedingungen verschlechterten sich am Abend zwar, die Chöre und das British Ukulele Orchestra traten dennoch beim Open-Air auf. Am längsten hielt es heute die Gruppe aus, die um 23 Uhr noch die Nachtführung in der Semperoper besuchte. Als das Taxi die Nachtschwärmer nach Hause brachte – der Fahrer erkundigte sich gleich nach Herkunft und Zweck der Reise - entließ er sie mit dem Gruß „Dann kommt mal gut zurück zu euren Kühen in einer Woche“ – das Allgäu ist wohl mit eindeutigen Assoziationen belegt.

Sonntag 26.05.13


Nach einem üppigen Frühstück starteten wir zu unserer Weiterfahrt nach Gebice in Polen. In Polen verließen wir bald die Autobahn und näherten uns über alleengesäumte Kreisstraßen unserem Ziel. Die Ortschaften der ländlichen Gegend wurden immer kleiner. Umso größer war unser Erstaunen beim Eintreffen am Palac Gebice über den ehemaligen Herrschaftssitz inmitten eines riesigen Parks mit großen alten Bäumen, Teichen - und einer enorm schmalen Einfahrt, die Rolf um 13.45 Uhr unter dem Applaus der Mitfahrer meisterte. Jurek Ptak vom Landkreisamt Gostyn begrüßte uns aufs Herzlichste und stand uns fortan als Organisator und Übersetzer zur Verfügung.
Nachdem alle ihre wahrhaft noblen Gemächer bezogen hatten und der Hunger mit einem üppigen, sehr schmackhaften Essen an der Tafel des fürstlichen Speisesaals gestillt war, ging es weiter zur Probe in die gotische Kirche der hl. Jadwiga (Hedwig) nach Pepowo.

Nach einem kurzen Einsingen und Ansingen einzelner Lieder warteten unsere Gastgeber, der Ortspfarrer sowie der Chor Continuo aus Pepowo, mit Kaffee und selbstgemachtem Kuchen auf uns, womit das Sortieren der Noten beinahe zu kurz kam..

Nach einer kurzen Begrüßungsrede durch den Pfarrer und einer auf Polnisch gehaltenen Ansprache durch Helmut begann das Konzert mit dem extra für die Fahrt ins Leben gerufenen „Kinderchor96“ unter Leitung von Johannes Striegel mit einem deutschen und einen polnischen Lied. In der vollbesetzten Kirchen sangen wir französische, russische, lateinische, englische und deutsche Werke, darunter - wie immer - auch Spirituals. Als polnischer Liedbeitrag kam das Marienlied „Slubowanie Matce Bozej“ von Antoni Chlondowski zur Aufführung, was mit besonders herzlichem Applaus bedacht wurde.  

Den zweiten Teil des Konzertes gestaltete der Chor aus Pepowo (Ltg. Lech Zelazny). Höhepunkt des Konzertes war das gemeinsame Singen des Stückes Parce Dominum von Feliks Nowowiejski.
Der anschließende Gottesdienst wurde gesanglich vom polnischen Chor umrahmt. Zur Kommunion sangen wir das Abendlied von Rheinberger. Spürbar wurde der tief verwurzelte Glaube, junge Nonnen und Mönche, überall sichtbare Marienverehrung, Gottesdienstbesucher, die - ganz anders als bei uns - alle kräftig mitsangen und mitbeteten. Am Ende des Gottesdienstes vereinigten sich beide Chöre mit Gounods Laudate Dominum erneut zu einem mächtigen Schlussgesang.

Nachdem sich das Wetter nach dem Gottesdienst von seiner besten Seite zeigte, waren wir vom Pfarrer zum Grillfest in den Pfarrgarten eingeladen. Helmut und Anita übergaben als Gastgeschenke ein großes Fass Ottobeurer Bier, Allgäuer Käse, Klosterkalmus, Gerle-Pralinen und Chor-CDs an unsere Gastgeber und erhielten im Gegenzug ebenfalls etliche Geschenke, darunter einen Bildband der Pfarrkirche Pepowo.

Bei einem üppigen Salatbuffet und einer gigantischen Menge an gebratenen Würsten und Steaks war auch der größte Hunger bald gestillt und es gab ausreichend Zeit für wechselnd polnische und deutsche Gesänge. Ein bisschen Bier ging beim Anzapfen verloren (s. Bilder). Anders als in Frankreich wurde das 35-Ltr.-Fass gleich leergetrunken - vielleicht wegen der größeren Becher. Erst nachdem es immer dunkler wurde löste sich die Party vorläufig auf. In der hauseigenen Hotelbar wurde schließlich noch lange nachgefeiert. Eine sang noch die ganze Nacht: eine Nachtigall, die Helmut am frühen Morgen aufzeichnete.

Aufnahme der Nachtigall

Montag, 27.05.13


Bei strahlendem Sonnenschein und 16° C brachen wir mit unserem „kleinen Busfahrer“ Julius zur Stadtbesichtigung ins 85 km entfernte Poznan (Posen) auf.

Einen Zwischenhalt kurz vor Posen legten wir im Sport- und Rekreationsgelände „MALTA“ am Maltasee ein (http://www.poznan.pl/mim/turystyka/de/route-10-der-malta-see-und-die-umgebung,p,661,662,672.html), um uns bei herrlichem Wetter die Beine zu vertreten und die Lunchpakete zu verzehren.

Poznan (ca. 550.000 Einwohner) ist die große historische Hauptstadt der Provinz Großpolen (mehr dazu…), gegründet 1253 trug sie den Titel „königliche Stadt“. Sie ist die fünftgrößte Stadt in Polen mit der geringsten Arbeitslosigkeit (3%, Landkreis 3,7%). Viele deutsche Firmen sind hier als Hauptarbeitgeber angesiedelt (VW allein mit 8000 Arbeitsplätzen, Chemiekonzerne wie z.B. GlaxoSmithKline, das Kaugummiwerk Orbit usw.). Mit einem Studentenanteil von 28% ist sie zugleich Universitätsstadt - mit 23 Universitäten.

Poznan war ursprünglich die 1. Hauptstadt von Polen und von 968 bis zum Jahr 1000 das erste und einzige Bistum sowie die erste Grablege der Herrscher und Bischöfe http://de.wikipedia.org/wiki/Posen).


Während wir am Dom auf unseren Stadtführer warteten, kam Aufregung auf: Ein Mann hatte sich an der Anhängevorrichtung seines Fahrzeuges seine Hand und seinen Kopf eingeklemmt. Richard, Helmut und Günther sowie Marita und Miriam waren sofort zur Stelle, um erste Hilfe zu leisten und einen Notarzt zu rufen.

Zwischenzeitlich traf unser Führer an der erzbischöflichen St. Peter und Paul-Kathedrale ein (http://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Dom): Dr. Armin Mikos von Rohrscheidt. Er zeigte uns in perfektem Deutsch das Fundament der ersten katholischen Kirche in Polen und führte durch die Basilika mit Kapelle und Gruft, verwies auf sog. Sargporträts, die ersten Doppelstand-Bronzestatuen, das Lapidarium (es enthält Steine der ersten vier Dome sowie die Bischöfe der letzten drei Jahrhunderte) usw.

Die Führung ging vorbei an der früheren Synagoge (die unter Hitler und bis vor drei Jahren als Hallenbad genutzt wurde), weiter zur Wielke-Straße (Hauptumschlagsplatz für Wein über 300 Jahre) und zum Rathausplatz. Das Rathaus gilt als das schönste Gebäude der Renaissance in Polen. Hier fand die Begrüßung der Könige statt. Die Fresken an dem Gebäude zeigen die Monarchen. Über dem Portal befindet sich eine Uhr, bei der jeden Tag um zwölf Uhr zwei Ziegenböcke erscheinen und einander im Takt des Stundenschlags die Köpfe stoßen. Sehenswert waren auch die sog. Schmuddelbuden, die von ärmeren Kaufleuten im Mittelalter erbaut wurden. (http://www.kultour.pl/poznan/poznan_de/poznan/txt/domki_budnicze.xml)

Unser Führer - selbst Professor für Kultur-Tourismus - verwies auch auf die Geschichte der „Bamberger“, kath. deutsche Siedler, die auf Einladung des Posener Bischofs Bartlomiej Tarlo bzw. des Bischofs Krzysztof Szembek in der Zeit von ca. 1716-1750 nach Posen kamen (450 Familien). Die sehr geachteten Bamberger waren die einzigen Deutschen, die als Gemeinschaft nach dem Krieg nicht aus Polen vertrieben wurden.
 (http://www.historisches-franken.de/auswanderer2/kolonisation.htm).

Als nächstes besichtigten wir das Denkmal St. Johannes von Nepomuk (auf Polnisch heißt Nepomuk „nicht helfen“!), das Reiterdenkmal von August dem Starken, anschließend die Stadtpfarrkirche, die vor zwei Jahren zur Basilika wurde (ehemals Jesuitenkirche mit ursprünglichem Kollegium der Jesuiten bis 1783) - sie steht auf der Unesco-Warteliste. Dort gab der Chor96 ein spontanes Musikstück zum Besten – wie bei den vielen anderen Kirchen, die wir besuchten.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die alte Brauerei, die 1844 entstand (von Ambrosius Hugger, einem Bierbrauer aus Württemberg) und 2003 zum Einkaufs-, Kunst- und Businesscenter „Stary Browar“ wurde. Wir kamen an der fast wiederhergestellten alten Burg vorbei („Die Polen sind Weltmeister im Wiederaufbau“) und am Denkmal für den „vergessenen Krieg“ (1920 gegen die Russen).
Eine der vielen Anekdoten unseres Führers, über die Zeit nach der politischen Wende: Jan Kulczyk (mega-reicher polnischer Eigentümer des Brauhauses), traf auf einen reichen Franzosen und fragte ihn, wie er in kurzer Zeit so reich werden konnte. Dieser trat zum Fenster und zeigte auf eine schwarze Linie, die am Horizont sichtbar war (Eisenbahnschienen). „Siehst du dort am Horizont die schwarze Linie?“ „Ja!“ entgegnete Kulczyk. Der Franzose antwortete: „Damit hab ich mein Geld verdient!“
Die beiden treffen sich nach längerer Zeit wieder. Fragt der Franzose den Brauereibesitzer: „Wie bist du so schnell zu so viel Reichtum gekommen?“. Der Pole geht zum Fenster: „Siehst du diese schwarze Linie am Horizont?“ „Nein“, entgegnet der Franzose. Die Antwort des Polen: „Damit habe ich mein Geld verdient!“
Kulczyk wurde nachgesagt, dass er es verstand, vom Staat nach der politischen Wende u.a. die Konzession für den Autobahnbau zu bekommen, indem er davon überzeugte, dass es richtig sei, an einen Polen zu verkaufen (also an ihn) und nicht an Ausländer. Ohne in den sieben Jahren der gesetzten Bindungsfrist auch nur einen Meter Autobahn gebaut zu haben, verkaufte Kulczyk die Konzessionen schließlich mit hohem Gewinn an ausländische Investoren weiter.

Auf dem Weg Richtung Kaiserpalast warfen wir noch einen Blick auf die königliche Burg, den Freiheitsplatz und das Nationalmuseum. Unsere Sightseeing-Tour endete vor dem Kaiserschloss, das zwischen 1905-1910 erbaut wurde - die Residenz für den deutschen Kaiser Wilhelms II. Während des 2. Weltkrieges wurde es von der deutschen Wehrmacht selbst noch dann umgebaut, als die Front schon 200 km herangerückt war. Noch heute werden dort wegen des Baustils „Führer-Filme“ gedreht.
(http://www.poznan.pl/mim/main/de/-,poi,2572/-,41234.html).

Dr. Armin Mikos von Rohrscheidt begeisterte uns mit seiner humorvollen Art der Wissensvermittlung, seinem Wissen und seinem Witz. So erzählte er uns, dass man die Menschen dieser Region als die „Schwaben von Polen“ bezeichnen kann. Es war wahrscheinlich die beste Sadtführung die wir je bekommen haben.

Anschließend stand uns noch eine Stunde zur freien Verfügung: Die einen gingen zum Einkaufszentrum der „Alten Brauerei“, während die anderem in einem kleinen fantasievollen Café bei Bier und Cappuccino dem polnischen „Dolce Vita“ fröhnten.

Im Restaurant  „Nasch Club“ stärkten wir uns mit Suppe, Hähnchen, Kartoffeln und Krautsalaten für unsere Rückfahrt zum Hotel. In Posen lernten wir ein ganz modernes Polen kennen, auch wenn es noch viele alte Gebäude gibt, die auf eine Restaurierung warten.

Dienstag, 28.05.13

 

Mit dem kleinen Linus als Nachwuchsbusfahrer brachen wir zu unserer Fahrt durch den Landkreis Gostyn auf. Erstes Ziel war die Holzkirche Domachowo in Krobia, die erstmals im Jahre 1567 erbaut wurde, jedoch abbrannte. Teile der ursprünglichen Holzkonstruktion, wie z. B. das Dach, konnten beim Wiederaufbau wieder integriert werden. Auch hier wurde die akustische Qualität der Kirche durch unseren Chor mal wieder mit spontanen Musikstücken erprobt. Anschließend besuchten wir die Basilika der Kongregation des Oratoriums des hl. Philipp Neri auf dem Heiligen Berg. Die prächtige Barockkirche wurde in den Jahren 1675-1728 nach dem Vorbild der Basilika Santa Maria della Salute in Venedig und nach einem Plan des italienischen Architekten Balthasar Longhena gebaut, in Polen allerdings mit Wandbildern. Die Kirche ist wegen des Kultes des Wundergemäldes der Gottesmutter mit dem Jesuskind berühmt, welches der Kirche 1542 übergeben wurde, auch die Bitte eines Chormitglieds wurde hier offensichtlich erhört.


Begrüßt wurden wir in hervorragendem Deutsch durch den Landrat (ehemaliger Praktikant im Landratsamt Unterallgäu) sowie durch den Organisator des jährlich stattfindenden Chorfestivals Musica Sacromontana, Krzysztof Fekecz.


Ein Ordensgeistlicher der Oratorianer erläuterte uns die Entstehungsgeschichte der Basilika, verwies auf die Kuppel (Bilder aus dem Leben des Ordensgründers), die 7 Altäre usw. In der Krypta werden alle Angehörigen der Stifterfamilie und Oratorianer in Särgen aufbewahrt. Für jeden der 18 Mönche steht ein Beichtstuhl zur Verfügung.

Eine Bemerkung des Geistlichen brachte uns zum Schmunzeln: „Die Verstorbenen werden wegen dem „Aroma“ in den ersten Jahren eingemauert.“

Mittags verhinderte ein starker Platzregen den geplanten Gang durch das Zentrum von Gostyn, dafür machten wir eine Rundfahrt per Bus, der uns am Ende zum Mittagessen im Restaurant „Powozownia Gostyn“ fuhr, wo eine lange Tafel für uns vorbereitet war.


Die Stadt- und Landgemeinde Gostyn hat ca. 28.000 Einwohner, davon entfallen 21.000 auf die Stadt; sie ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis und war bekannt für die Kutschenproduktion. Ein großer Teil der Menschen lebt von der Landwirtschaft. Der wirtschaftliche Teil beinhaltet Glashütten, Autofilterfabriken, eine Zuckerfabrik (es entsteht gerade ein riesiger Zuckerbunker für mehrere Millionen t), kleine und mittlere Betriebe sowie eine große Molkerei. Sie verarbeitet täglich 150.000 l Milch zu Fetakäse.

Die meisten weiteren Arbeitsplätze finden sich in der näheren Umgebung (z.B. Posen); die Arbeitslosigkeit liegt hier schon bei 12-13 %. Vor allem junge Leute finden schwer einen Arbeitsplatz.

Lt. Herrn Ptak wurden seit der Mitgliedschaft in der EU für diese Region Fördergelder in Höhe von ca. EUR 145 Mio. ausbezahlt, davon entfielen auf die Landwirtschaft 125 Mio,

auf die Wirtschaft 20 Mio. Die Energiewende steht in Polen noch ganz am Anfang. Der meiste Strom wird nach wie vor über Kohlekraftwerke erzeugt. PV-Anlagen oder thermische Solaranlagen haben wir keine gesehen, aber einige erste Windkraftanlagen - von spanischen Betreibern.


Der nächste Höhepunkt des Tages war unser Konzert in Krobia, zusammen mit dem örtlichen Kirchenchor. Am Hochaltar der spätbarocken Kirche sieht man „Maria auf der Mondsichel“. Die übergroße und helle Gottesmutter erfüllt den Hochaltar und schwebt doch auf dem Mond.

Nach dem Abendgottesdienst sangen wir im Wechsel mit dem polnischen Chor. Den Abschluss bildete das gemeinsame Ave verum von W.A. Mozart. Gerade die beiden polnischen Musikstücke des Jugendchors und des Chor96 wurden vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Anzumerken ist noch, dass die Gemeinde Krobia - zusätzlich zu den Konzertplakaten - 580 Konzerteinladungen per SMS an die Einwohner verschickt hatte!


Im Schulhaus feierten wir - nach der Begrüßung durch den Schulleiter und Geschenkübergabe von Käse und Bier an unsere Gastgeber - bei sehr schmackhaftem Essen und Trinken den gemeinsamen Abend. Für Erheiterung sorgte auch hier - wie in Pepowo - das Anzapfen des mitgebrachten Ottobeurer Bierfasses. Nachdem Jurek Ptak bereits dort „eingeweicht“ worden war, ließ er hier dem Bürgermeister den Vortritt - die Dusche war perfekt… Es wurde ein wunderbarer Abend mit viel Gesang und Spaß miteinander. Ein weiteres Mal zeigte sich die schier endlose und herzliche Gastfreundschaft der Polen. Neben dem Bier zogen die polnischen Gastgeber auch die ein oder andere Wodkaflasche unter dem Tisch hervor. Helmut brachte auch hier allen Sängern den Kanon über den „Hasenbraten“ bei. Trotz Sprachbarriere kam es zu einem gegenseitigen musikalischen Hochschaukeln, das in der polnischen Version von „Bruder Jakob“ und „Guten Abend, gut‘ Nacht“ mündete – auch die legendären roten Noten-Mappen von Andreas kamen zum Einsatz; Anita durfte ihr Können vom Tanzkurs unter Beweis stellen. Jurek musste irgendwann zum Aufbruch mahnen, weil niemand Anstalten zum Gehen machte. Wie Völker verbindend Singen sein kann wurde an diesem Abend wieder einmal sehr deutlich. Unsere Damen wurden sogar mit Handkuss verabschiedet! Die gelöste Stimmung hielt auf der Rückfahrt in unserem Tourbus an, Busfahrer Rolf versicherte über Mikrofon, dass er auch „die vollen Flaschen eingeladen habe“. Der Ausklang fand an Hotelbar und Billardtisch statt.

Mittwoch, 29.05.13

 

Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel – es sollte wettertechnisch der schönste Tag unserer Reise werden – machten wir uns um 9 Uhr ins 95 km entfernte Wroclaw (Breslau) auf. Doch schon bei der Tor-Ausfahrt aus unserem Schloss wurde die gute Stimmung leicht getrübt: „Beleidigt“ machte uns Rolf darauf aufmerksam, dass er durchs Tor gefahren sei und keiner geklatscht habe! Durch den nachgeholten, tosenden Applaus konnten wir einen Fahrer-Streik abwenden.


Dass Breslau die Stadt der Brücken ist, kamen wir gleich bei unserer Ankunft zu spüren: Wir mussten uns auf eine unfreiwillige Stadtrundfahrt begeben, weil wir keine Brücke fanden, unter der es wegen der Höhe des Busses möglich war, hindurch zu fahren. Freundliche Taxifahrer halfen uns mit Rat weiter.

Breslau liegt an der Oder, ist mit 630.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Polens und beherbergt zahlreiche Hochschulen. Zunächst stand der gotische Dom Ostrów Tumski auf dem Plan. Nach der Besichtigung des Kirchenraums mit seinen atemberaubenden, bunten Fenstern und einem Ständchen von uns, begaben wir uns auf den rund 60 Meter hohen Turm des Doms. Leider nicht zu Fuß, sondern im vollkommen überbelegten Aufzug sah so mancher schon sein letztes Stündlein geschlagen. Die Chor-Kinder machten sich einen Spaß daraus, unseren Busfahrer, der neben seinem Bus stand und vom Turm aus wie in Miniaturgröße wirkte, mit Rufen auf sich aufmerksam zu machen. Alle zusammen: „Rohooolff!“. Tatsächlich winkte unser gutmütiger Begleiter zurück und die Kinder setzten noch eins drauf: „Rohooolff – rauchen ist ungesund!!“. Dieses Spiel wiederholte sich viele Male und wir zogen definitiv alle Aufmerksamkeit auf uns.
Ganz andere Gefühle kamen beim Betrachten der im Turm hängenden Bilder des weitgehend zerstörten Doms auf, manifestierte sich in dieser Zerstörung doch der Hass und Fanatismus des Dritten Reichs.


Schon ging es zum nächsten spannenden Programmpunkt, dem „Panorama Raclawicka“. Dort konnten wir zunächst unter herrlich duftenden Akazien Picknick machen und unser Lunch-Paket genießen. Dann ging es ins Innere des stadionförmigen Baus, der ein riesiges, über 1700qm großes Rund-Gemälde enthält. Das Panoramabild im Inneren zeigt den Sieg der polnischen über die russische Armee 1794 in der Schlacht bei Raclawice unter Führung des polnischen Generals Tadeusz Kosciuszko. Das Bild wurde anlässlich des 100. Jahrestages der Schlacht nach fast einjähriger Entstehungsgeschichte am 5. Juni 1894 anlässlich einer Nationalausstellung in Lwów (Lemberg) veröffentlicht. Das Bild war lange ein touristischer Höhepunkt der Stadt Lemberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es im Jahr 1946 unter Geheimhaltung zerlegt nach Breslau verbracht, wo es viele Jahre in einem Versteck blieb. Da es eine Niederlage der russischen Armee zeigt, befürchteten die Behörden eine Verschlechterung der sowjetisch-polnischen Beziehungen. Erst nach der Lockerung der politischen Lage wurde es herausgeholt. Seit er Eröffnung 1985 zählt das Panorama zu den meistbesuchten Ausstellungen in Polen. http://de.wikipedia.org/wiki/Panorama_von_Rac%C5%82awice


Im Anschluss wurden wir von unserer jungen polnischen Stadtführerin abgeholt. Zunächst führte sie uns am Katyndenkmal vorbei, einem Gedenkengel, der an das Massaker an 25.000 polnischen Intellektuellen und Offizieren durch die Sowjets im Frühjahr 1940 erinnert. Dann ging es zu einen Aussichtspunkt an der Oder, von dem aus wir eine gute Sicht auf die Dom-Insel mit dem gotischen Dom, dem Georgianum – dem theologischen Institut der Universität, der Kreuzkirche, aber auch auf die Sandkirche und die St. Annakirche hatten. Die Insel ist übrigens keine Insel mehr seit der Oderzufluss zugeschüttet wurde.

Außerdem kamen wir an der Markthalle vorbei, die Elemente aus dem Gesamtzeughaus enthält und eine ingenieurtechnische Meisterleistung ist, weiter am philologischen Institut, und der hochbarocken Stiftskirche, wo wir „In Monte Oliveti“ zum Besten gaben.

Die Stadtführerin sagte oft „lassen Sie mich dazu noch zwei Worte sagen“, doch tatsächlich wurden es unwesentlich mehr und so manch einer hatte einen rauchenden Kopf bei all den Informationen.


Da kam die Zeit zur freien Verfügung gerade recht, die wiederum einige mit Shopping verbrachten, andere in Cafés dieser wunderschönen, architektonisch so wertvollen Stadt. Ein plötzliches Gewitter zwang dazu, sich einen Unterschlupf zu suchen.

Zum gemeinsamen Abendessen trafen sich alle wieder gut gelaunt im Restaurant „Inspirazia“, einem wunderschönen Gewölbe-Restaurant am Salzplatz. Auch dieser Abend klang wieder an der Hotel-Bar aus.


 

Donnerstag, 30.05.13

 

Bei sonnigem Wetter und 16° C verabschiedeten wir uns von Jurek Ptak, der mit seinem abwechslungsreichen und vielfältigen Programm bestens für uns gesorgt hatte, ein Programm, das uns begeisterte. Anita überreichte Präsente für ihn und seine Frau, die ihn in diesen Tagen ständig entbehren musste. Dem versammelten Personal brachten wir ein Ständchen dar, bei dem die zauberhafte Nachtigall wunderbar mit gezwitschert hat!Nachdem auch Miriam und Emilie an den Vortagen bereits „Busfahrerluft“ schnuppern duften, war bei der Abfahrt Katharina an der Reihe. Auf dem Weg nach Westen wurden die Wolken immer dichter, aber nachdem wir über 500 km Strecke (vorbei an Lubin und Dresden) vor uns hatten, war der Regen nicht weiter tragisch. Nur die vorgesehene Abendführung mit einem Nachtwächter mussten wir leider absagen. Wir konnten nochmals die großen Schlaglöcher auf den Nebenstrecken „genießen“, das Rauchen der Schornsteine sehen und riechen - ein Hinweis auf das Heizen mit Steinkohle. (In Polen wird nach wie vor Kohle abgebaut. Erdgas steht zwar auch zur Verfügung, ist den meisten aber zu teuer.) Beim Blick durch die Fensterscheiben auf die vorbeiziehenden Firmengebäude fühlten wir uns fast wie zu Hause. Die Markennamen englischer, französischer und vor allem deutscher Ketten (Lidl, Rossmann, Real, Kaufland, Praktiker usw.), zeigen, wie Europa inzwischen immer gleichförmiger wird - eine erschreckende Entwicklung.Um 16.30 Uhr fuhr unser Bus auf den Parkplatz beim Erfurter Dom (http://www.thueringen.info/erfurt-dom-st-marien-zu-erfur.html.)Es war uns leider nur ein kurzer Spaziergang vergönnt, bevor wir uns am 17.00 Uhr zum Einsingen trafen. Das Pontifikalamt um 18.00 Uhr im Dom mit Weihbischof Dr. Reinhard Hauke durften wir gesanglich mit unseren Stücken I´m gonna sing - Jubilate Deo - Abendlied und Irish Blessing mitgestalten. Es war ein wunderbares Erlebnis, in dieser großartigen Kirche mit einer grandiosen Akustik zu singen. Nach dem feierlichen Gottesdienst kamen wir auf dem Weg zum „Szene-Italiener“ („Charleston“) bei strömendem Regen noch an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei, so die Krämerbrücke oder die idyllisch gelegenen Häuser am Breitstrom. Erfurt hat einen wunderschönen Stadtkern. Nachdem sich der Weihbischof persönlich bei uns bedankt hatte, kommen wir vielleicht erneut zu einem Auftritt hierher und nehmen uns etwas mehr Zeit mit.Wir speisten hervorragend, das vorbestellte Essen war in kürzester Zeit aufgetischt - nur das Bezahlen zog sich ewig hin. Die Fahrt zum Jugendbildungshaus St. Sebastian war schnell erledigt, aber es stand noch ein Fußweg bergauf bevor, da der Bus an der Brücke neben der Gera nicht durchfahren konnte. Wir kamen etwas aufgeweicht oben an, aber die Herberge entschädigte - vor allem der gemeinsame Ausklang im Clubraum.

 

Freitag, 31.05.13

 

Bevor der Fluss vollends über die Ufer trat, reisten wir um 9.00 Uhr bei Regen ab. Das Timing war perfekt, denn einen Tag später schaffte es die eben genannte Brücke über die Gera in die Tagesschau, weil dann beide Ufer überflutet waren. Die Fahrt auf der neuen Autobahn durch den Thüringer Wald verlief reibungslos. Unser nächstes Ziel war Feuchtwangen, das wir mittags ansteuerten. Im Gasthaus Sindel-Buckel stärkten wir uns das letzte Mal auf dieser Reise. Helmut kannte das Lokal von seinen Treffen mit der Arbeitsgemeinschaft Naturschutzwacht. Der Wirt, Heiner Sindel, ist Bundesvorsitzender des Bundesverbands Regionalbewegung und Mitbegründer von „Artenreiches Land -lebenswerte Stadt“. Er machte mit kurzen Worten auf die Wichtigkeit der Regionalität aufmerksam. Er sprach über die Verödung der Städte, wenn Firmen auf den „grünen Wiesen“ ihre Einkaufszentren errichten. Ferner brachte er zum Ausdruck, wie wichtig es ist, qualitativ hochwertige Ware regional zu produzieren und auch regional zu vertreiben. Seine Speisekarte und das leckere Essen (Karpfen, Schäufele, Salate aus dem Knoblauchsland) zeigten, dass bewusstes Essen so rein gar nichts mit Askese zu tun hat. Zum Abnehmen war diese Reise ohnehin nicht geeignet!


Den Abschluss bildete der Besuch des Sängermuseums. In unterhaltsamer Weise erklärte uns der Museumsleiter die Geschichte des organisierten Singens. Dazu ein paar kurze Daten:

  • Das erste Sängermuseum entstand bereits 1925 in Nürnberg, wurde jedoch zerstört und nicht mehr aufgebaut, das zweite 1989 in Feuchtwangen.

  • Die erste Liedertafel (1. Männergesangsverein in Deutschland) wurde von Karl Friedrich Zelter 1809 gegründet.

  • Das erste gesamtdeutsche Chorfest fand im Aug. 1845 in Würzburg statt mit 1600 Teilnehmern - ausschließlich Männer.

  • Im Jahre 1862 war die Gründung des deutschen Sängerbundes.

  • Ab dem Jahr 1900 war auch die Gründung von Frauenchören möglich.

  • Gemischte Chöre entstanden erst nach dem 1. Weltkrieg (die Frauen ersetzten ihre Männer auch im Chor).

  • Im Juni 1928 fand das 1. Deutsche Arbeiter-Sängerbundfest in Hannover mit über 40.000 Teilnehmern statt.

  • Im Jahre 1948 erhielt der Allgemeine Sängerbund seine Zulassung.

  • (www.saengermuseum.de)


Gerade für Chöre ist der Besuch des Sängermuseums sehr zu empfehlen. Nach so viel Wissensvermittlung bewegten wir uns wieder zum Bus und traten die letzte Etappe unserer Heimreise an. Woringen erreichten wir bei strömendem Regen pünktlich um 17.30 Uhr.


Helmut sprach unserem Busfahrer ein großes Lob aus für seine umsichtige Fahrweise, seine Bereitschaft, sich immer wieder auf uns einzustellen und vieles möglich zu machen.


Seinen Dank richtete er auch an Johannes mit dem Kinderchor, an die Kinder selbst, die so gut harmonierten und uns so manches Mal zum Lachen brachten. Wir waren begeistert, wie sie sich wunderbar in die Gemeinschaft einfügten.


Zurück bleibt die Erinnerung an eine Fahrt, die uns unseren polnischen Nachbarn näher gebracht hat, ihre Gastfreundschaft, ihre Art zu leben. Ein ganz herzliches Dankeschön für ihre Bereitschaft, mit uns zu singen, zu feiern und uns zu bewirten!


Unvergessen bleiben die schönen Abende an der Bar im Hotel Palac Gebice, die Gemeinschaft (auch bei Kerzenlicht, weil wegen eines Gewitters das Licht ausfiel), wenn wir uns vom anstrengenden Reisen und dem vielen Essen dort erholten.


Kurzum: Es waren anstrengende, aber wunderschöne Tage.

Ein Dank an alle, die an der Planung und der Durchführung der Reise beteiligt waren.